Es geht los…
Es ist dunkel. 00:30 Uhr. Und wir sitzen im viel zu hellen Zug in Richtung Hannover. An Schlaf ist noch nicht zu denken, nicht dass wir am Ende in Rheine aufwachen und nach nur einer Stunde Zuhause anrufen und sagen: „Ja, wir haben es verbockt.“.
Und aus dem Grund sitzen wir jetzt zwischen einem Salatblatt und einem halb gegessenen Burger bei McDonalds auf dem Sofa und trinken einen Kaffee, denn ansonsten lässt sich die Stunde Wartezeit kaum überleben. Mit dem ICE kommen wir tatsächlich pünktlich bis nach Frankfurt und auch die Schlange am Check-in ist überschaubar. Sogar durch die Security kommen wir ohne Problem und ohne Warten. Nun haben wir nur ein Problem. Mangels Vertrauen in die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn waren wir 5 Stunden zu früh am Flughafen.
Dank überschaubarer Schlange am Check-in und an der Security, hatten wir dann noch 3 Stunden, als wir dann endlich am Gate standen. Was tun? Es endete damit, dass wir morgens um 10 Uhr morgens Happy Death Day, einen Horrorfilm, geschaut haben. Denn es gab am Gate gegenüber ein paar Sitzecken mit Sesseln und einem Fernseher mit ausgewählten Filmen. Da das Ganze ohne Kopfhörer funktioniert, durften die restlichen Passagiere im Umkreis von 30 Metern unseren Zeitvertreib gebannt verfolgen.
Der Flug war unspektakulär. Dennoch muss ich sagen war ich sehr skeptisch. Kurz nach unserem Abflug, um 11:15 Uhr, haben wir unser „Abendessen“ serviert bekommen. Mit der Ansage, dass es als nächstes Frühstück geben würde. Kurz vor der Landung. Das ist ein 12 Stunden Flug, wie soll das denn bitte gehen? Das Essen war immerhin gut und so rückte die Frage nach dem Essen ein wenig in den Hintergrund.
Währenddessen begann man das Entertainment Programm zu durchsuchen und man musste feststellen, dass einem im Normaltarif ganze zwei Filme zur Auswahl standen: Aladdin und ein weiterer Film, dessen Namen ich schon wieder vergessen hatte. Damit konnte man sich auf jeden Fall zur kurzzeitig die Zeit vertreiben.
Während man ein wenig quatscht, liest und schließlich zu Netflix wechselt wird es draußen immer dunkler, bis es schließlich komplett dunkel ist. Ein Gedanke drängelt sich immer weiter ins Bewusstsein. Wir sind schon einen halben Tag unterwegs, wir müssten doch so langsam mal ankommen. Irgendwann überkommen einen dann doch Zweifel und man wirft einen Blick auf die Uhr. 16 Uhr. Moment. Da stimmt was nicht. Wie können wir nur 4 Stunden unterwegs sein? Und das ist der Moment, in dem man realisiert, dass 12 Stunden nicht immer 12 Stunden sind.
Aber auch die längsten 12 Stunden gehen vorbei und wir landen, nachdem wir unser Frühstück bekommen haben, in Kuala Lumpur. Da wir uns aber nicht nochmal auf das Essen der Airline verlassen, entscheiden wir uns dazu, uns eine Kleinigkeit zum Essen zu besorgen. Wir gehen durch den Flughafen. Ein Sandwich für 6€ hier, Burger King da. Alles entweder übertrieben teuer oder langweilig. Wer will denn schon bei Burger King essen, wenn man in Malaysia ist.
Einen Laden finden wir dann, der nicht das übliche Essen verkauft. Nööödles heißt er (ja, genau so geschrieben). Die Tatsache, dass dort nur Einheimische sitzen, ist in mehrerlei Hinsicht vielversprechend. Also bestellen auch wir eine Nudelsuppe mit Tofu und schauen was uns erwartet.
Nach ein paar Minuten taucht Kellnerin auf und bringt uns unser Essen und das nötige Werkzeug: ein paar Stäbchen und ein Suppenlöffel. Mit letzterem kann ich umgehen. Mit den Stäbchen jedoch, na ja, das wird sich zeigen. Ein Schluck Suppe und ich stelle fest: die Schärfeangaben hätte man Ernst nehmen können. Es ist aber noch ertragbar.
Lange kann ich den Stäbchen aber nicht aus dem Weg gehen, denn Nudeln, Sprossen, Tofu und Brokkoli lassen sich zum Teil nur schwer mit dem Löffel essen. Also nehme ich die Nudeln in Angriff. Ich bekomme ein paar zu fassen, aber bevor ich sie auch nur aus der Suppe heben kann, fallen beide wieder runter. Und das natürlich nicht ohne zu spritzen und eine kleine Sauerei anzurichten. Beim nächsten Mal klappt es schon etwas besser, nur schaffe ich es nicht, sie zum Mund zu führen und ehe ich mich versehe, klebt eine Nudel auf meinem Schuh und eine weitere auf der Jogginghose. Jetzt werde ich ehrgeizig. Jordan hat mittlerweile schon aufgegeben und hört nicht auf über mich zu lachen, während er die Nudeln Gabel und Löffel isst, die er sich nach ein paar erfolglosen Anläufen besorgt hat.
Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran und am Ende schaffe ich es sogar alles zu essen. Nur der Tisch sieht aus, als sei meine Schüssel explodiert. Sogar die Bordkarten, die auf dem Tisch lagen, sind orange gesprenkelt.

Wieder mit etwas Verspätung geht dann der Flug nach Melbourne. Schon beim Reinkommen, merken wir: etwas ist anders. Man sieht die Lüftung. Man sieht die Luft, die ins Flugzeug gepustet wird. Es ist kalt. Jeder, der sich an seinen Platz setzt, dreht die Lüftung ab. Es gibt da nur ein kleines Problem: die große Lüftung kann man nicht abstellen und daher bringt einem das herzlich wenig. Also greift man zur Decke. Man packt sie aus und legt sie über sich. Zieht sie ein wenig zurecht und merkt die Füße sind kalt. Also wird die Decke ein wenig nach unten gezogen. Nein, jetzt ist der Bauch kalt. Also wird sie wieder hoch gezogen. Da nun nicht nur die Füße kalt sind, sondern die gesamte untere Körperhälfte, nimmt man die Decke in die Hand und schaut sie sich ein wenig genauer an. Das was hier als Decke bezeichnet wird, reicht kaum aus, um mein Kopfkissen Zuhause abzudecken.
Zum Glück ist der Sitz neben mir frei und, in einem unbeobachteten Moment, werden aus einer Decke zwei. So kann man immerhin überleben. Nun steht man aber vor dem nächsten Problem. Schlafen oder Filme schauen. Die Filmauswahl bei Malaysian Airways ist einiges besser als bei Condor und somit fällt einem die Entscheidung schwer. Also ein Kompromiss. Man schaut so lange einen Film, bis man dazu gezwungen wird zu schlafen. Blöd nur, wenn man sich nicht wirklich zwischen die Sitze quetschen kann und deshalb gezwungen ist, die Füße auf den Gang zu legen. Denn alle 5 Minuten läuft jemand durch und obwohl man sie bereits so eng wie möglich an die Seite legt, schafft es dennoch oft genug jemand gegen zu treten oder sie mit dem Wagen zu überfahren.
Irgendwann hat ein Steward dann genug und bietet mir einen Doppelplatz an, der noch frei ist. Dort schlafe ich dann auch tatsächlich ganz gut. Womit der Steward aber wohl nicht gerechnet hat: jetzt hängt mein Kopf im Gang. Aber davon und von den Leuten, die da angeblich gegen gelaufen und gefahren sind, habe ich nichts mehr mitbekommen, zumindest bis es kurz vor der Landung das Abendessen gab…

In Melbourne angekommen, geht es in Richtung Einreisekontrolle. Erstaunlich schnell geht es durch. Pass wird gescannt und wir werden kurz nach unseren Plänen gefragt. 10 Minuten später sind wir durch und warten auf unser Gepäck. Sogar das Spikeball set taucht nach 5 Minuten auf und wir gehen zum Zoll. Dort fordert man das kleine Kärtchen ein, über dem wir im Flugzeug mindestens eine halbe Stunde gegrübelt haben. So lange, dass wir sogar am Ende Jordans extrem gefährliche, gar schon tödliche Müsliriegel deklariert haben. Denn bei Essen sind die Australier empfindlich. Dennoch werden wir auch da durch gelassen.
So gehen wir vor die Tür und flüchten uns direkt wieder in die wohlige Wärme der Ankunftshalle zurück. Wo sind wir gelandet? Alle Anzeichen sprechen schon für unser angepeiltes Ziel. Mit Ausnahme der Tatsache, dass man es im T-Shirt keine 5 Sekunden draußen aushält. Mit Pullover ausgestattet wagen wir uns wieder nach draußen und finden einen Bus, der uns nach Melbourne bringt. Knapp eine halbe Stunde stehen wir auf einer großen Straße, hüpfen vor Kälte von einem Bein auf das andere und warten darauf, dass eine Bahn kommt. Angeblich kostet das alles nichts. Schließlich steigen wir in irgendeine Bahn ein, die in die richtige Richtung zu fahren scheint. Und Tatsache, wir kommen knapp 500 Meter von unserem Hostel entfernt an einer Haltestelle an. Den Rest regelt dann Google Maps, sodass wir dann relativ bald im warmen Zimmer sitzen.
Nun müssen wir nur noch etwas zu essen finden. Eine Suche bei Google ist ernüchternd. Wir sind mitten im CBD (Central Business District) und es hat einfach alles geschlossen. Um 22 Uhr hat fast alles geschlossen. Als wir jedoch auf die Straße treten, stellt sich heraus, dass unsere Sorge unbegründet war. Gleich gegenüber leuchtet die Reklame eines Kebab Ladens. Und wenn wir nach rechts gehen stolpern wir fast über die vielen verschiedenen Ketten, die uns ihre Burger, Pommes oder belegten Baguettes zu verkaufen. Aufgrund der Uhrzeit entscheiden wir uns für einen Burger und verschwinden damit auf unserem Zimmer, um wieder die erste Nacht in einem Bett zu genießen.